
Guy de Maupassant – 1850 in der Normandie geboren, 1893 in Passy bei Paris gestorben – galt schon früh als Klassiker und neben Gustave Flaubert, Émil Zola, Stendhal und Honoré de Balzac als einer der großen französischen Erzähler des 19. Jahrhunderts. Seine sprachliche Eleganz und das architektonische Ebenmaß seiner Werke dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass Maupassant in seinen Romanen und Novellen mit grandioser Nüchternheit und einer lebenslangen Lust an der Beobachtung auf den Grund der Dinge blickt. Er zeigt den zeitgenössischen Menschen in all seinen Facetten. Ob von Bauern, Fischern, Mägden oder Soldaten die Rede ist, von Jägern, Freudenmädchen, Vagabunden, der Finanzaristokratie oder dem Landadel, immer durchzieht das Erbarmen mit der Kreatur sein Schreiben. Er mischte sich aber auch deutlich als Journalist ins aktuelle politische Geschehen ein, eine Fülle von Artikeln in Pariser Zeitungen zeugen von seiner oft regierungskritischen Haltung. Dass viele von Maupassants Romanen vor der Buchveröffentlichung im Pariser Feuilleton erschienen, schafft darüber hinaus eine ganz eigene Verzahnung von Journalismus und literarischem Werk.