
Zwei Sätze an einem Tag sind ein Glück“. Dieses Zitat von Marie-Luise Scherer spiegelt ihre sprachliche Genauigkeit und intensive Hingabe an das Wort. Mit ihrem langsamen Schreibtempo war sie das Gegenteil einer „rasenden Reporterin“. Vielen Leser*innen – allen voran den Hamburgern – ist Scherer sicherlich noch als AusnahmeJournalistin des Nachrichtenmagazins Der Spiegel in Erinnerung. Ihre Beiträge waren legendär, ihr Status in der Redaktion einmalig. Ihre Texte sind von journalistischer Brillanz und literarischer Qualität gleichzeitig, die Genres untrennbar. 1938 wurde MarieLuise Scherer in Saarbrücken geboren, ohne Abitur und Studium begann sie ihre Arbeit direkt beim Kölner Stadtanzeiger. Nach Stationen bei der Berliner Morgenpost und der Zeit, wurde sie von 1974 bis 1998 Teil der SpiegelCrew. „Silbenarbeit“ nannte sie ihr Schreiben und setzte in ihren Büchern, etwa in „Der Akkordeonspieler“, „Die Bestie von Paris“ oder „Die Hundegrenze“, Akzente gegen die Schnelllebigkeit des journalistischen Gewerbes. Präzise Recherche bildete stets die Startrampe für ihre Texte, bei denen sie die gesellschaftlichen Verhältnisse genauso in den Fokus stellte wie einzelne menschliche Schicksale. Die Anzahl der Preise, die Marie-Luise Scherer bekommen hat, ist zahlreich, ihr Schreiben einzigartig.